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Johannes Nikolaus Meisch wurde am 26. Dezember 1886 in Lellingen geboren. Mit 22 Jahren heiratete er Maria Meres aus Enscheringen. Von Beruf ist Neckel Meisch Landwirt, sein Stand wird damals als Ackerer bezeichnet.

Zu dieser Zeit verstarb Maria Meres, die Frau von Neckel Meisch.

Während den Kriegsjahren versteckt Neckel Meisch Flüchtlinge. Dieses „Vergehen“ wird ihm später zur Last gelegt. Auch soll er die „Hemicht“ lauthals gesungen haben, als er das Gasthaus in Wilwerwiltz verließ und nach Lellingen zurückkehrte. Ein anderes Mal „vergaß“ er am Führergeburstag die Fahne an seinem Haus anzubringen. Ob die Anwesenheit seiner Magd M. Holzheimer in seinem Haushalt auch zu seiner Verhaftung beigetragen hat, ist nicht nachweisbar.

Für den 23. September 1943 wird Neckel Meisch zum Amtsbürgermeister nach Clerf eingeladen. Guten Gewissens geht der Bürgermeister nach Clerf. Von einem Eisenbahner lieh er sich das VdB –Abzeichen und ging in die Amtsstube.

Die (VdB) Volksdeutsche Bewegung war eine Vereinigung, die von der Zugehörigkeit der Luxemburger zur „germanischen Rasse“ (Volksdeutsche) überzeugt war und während der Besetzung Luxemburgs im Zweiten Weltkrieg mit dem Motto „Heim ins Reich“ den Anschluss an das nationalsozialistische Deutsche Reich zu erreichen versuchte

In der Amtsstube wurde Neckel Meisch von der Gestapo verhaftet und in das Grundgefägnis nach Luxemburg abgeführt. Zur Begründung seiner Verhaftung stand auf seiner Schutzhaftkarte: Hat Flüchtlinge, die wegen politischer oder kriminellen Vergehen flüchtig waren, verborgen gehalten, obschon ihm bekannt war, dass sich darunter zwei wegen Doppelmord gesuchte Verbrecher befanden.

Bei einer Schießerei zwischen Eschdorf und Heiderscheid, waren zwei deutsche Gendarmen erschossen worden. Heymanns Robert und Schwirtz Emile, welche an der Aktion wesentlich beteiligt waren, hielten sich zeitweilig mit anderen Deserteuren aus Vichten in einem Tannenwald zwischen Vichten und Michelbuch versteckt. Ob sie auch im Haus von Neckel Meisch in Lellingen weilten, konnte mir niemand bezeugen.

Von Luxemburg aus wird Neckel am 29. Oktober 1943 nach Hinzert überführt. Das SS-Sonderlager Hinzert (auch KZ Hinzert) war ein deutsches Haft- und Konzentrationslager in der Nähe von Hinzert bei Trier im Hunsrück (heute Rheinland-Pfalz). In Hinzert trug Nikolaus Meisch die Gefangenennummer 7474.

Néckel Meisch aus Lellingen

Eingang, durch den die Hartheimer Opfer das Schloss betraten. Das Schild über der Tür besagt: "Orphan's Asylum"

Das Leben in den Konzentrationslagern war ein andauerndes Martyrium für die Gefangenen. Der Tag begann zwischen vier und fünf Uhr morgens mit dem Wecken durch Trillerpfeifen. Dann hatten die Häftlinge eine halbe Stunde Zeit ihre Betten herzurichten, sich zu waschen und Frühstück zu fassen. Damit alles reibungslos verlief, gab es innerhalb der Gefängnisblöcke eine Hierarchie für die Häftlinge. Blockälteste, Lagerälteste und Stubenälteste mussten für die Umsetzung der Aufgaben zu sorgen.

Beim anschließenden Morgenappel gegen sechs Uhr mussten die Häftlinge in Zehnerreihen antreten, und nachdem die Anwesenheit aller Häftlinge festgestellt worden war im Gleichschritt durch das Tor zu ihren Lagereinsätzen marschieren. Arbeit im KZ bedeutete „Terrorarbeit“ unter unmenschlichen Bedingungen in Fabriken, Rüstungsbetrieben, in der Landwirtschaft oder beim Lagerbau. Diese Arbeit kostete Tausende Häftlinge das Leben. Nach der Rückkehr ins Lager diente der Abendappel dazu, die Häftlinge erneut zu zählen. So ein Appel konnte stundenlang dauern, weil Jemand fehlte oder als Strafe für irgendwelche Verstöße gegen die Lagerordnung.

Aus Hinzert schrieb Neckel Meisch diesen Brief an seine Familie:

Der Mitgefangene P. Lentz berichtet aus dem Lager: „Nach der Ankunft in Hinzert mussten wir eine Rede des Lagerkommandanten über uns ergehen lassen. Dann wurden wir im Laufschritt hin und her gehetzt, bekamen die Haare geschnitten, wurden entlaust, bekamen zerrissene Sträflingskleider samt Stoffresten, Nadel und Zwirn. Ich half dem unerfahrenen Neckel Meisch auf Block IV. Neckel Meisch, Pfarrer Michel Wealer und ich teilten uns ein und dasselbe Schlaflager.

Tagsüber zerkleinerten wir knorrige Wurzelstöcke mit stumpfen Sägen und Äxten. Abends löffelten wir magere Suppe und Kauten dazu unser kleines Stück Brot.

Als ich von der Umsiedlung von meiner Familie in Pintsch erfuhr, wäre ich in die Mutlosigkeit verfallen, hätte nicht Neckel für neuen Mut gesorgt: Nemme Courage! Dat ass näischt. Mer kommen allegoarten heem!

Neckel hatte große Schwierigkeiten beim Appell die Hände stramm an der Hosennaht zu halten; immer wieder steckte er sie instinktiv in die Hose. Einmal bekam er dafür unversehens einen Fußtritt, dass er zu Boden stürzte. Was ist dir passiert? wurde er gefragt. Darauf musste Neckel antworten: Ich bin gefallen, weil ich mich gestoßen habe. Neckel ärgerte sich oft: „Wann ech drun denken, dat se mäi Speck gefrees hon Déi knaschdig Honn! Wa mer heem kommen, da gët geraumt!“ Doch zu der Rückkehr nach Lellingen sollte es nicht kommen. Von Neckel Meisch wird erzählt, er habe sich in Hinzert um die Pellkartoffeln gekümmert. Er sei dabei erwischt worden, als er heimlich Kartoffeln an seine Leidensgenossen verteilte.

Am 14. Januar 1944 ist er auf den Transport nach Mauthausen gekommen. Die Reise von Neckel dauerte 7 Tage und endete am 22. Januar 1944 in Mauthausen, in Österreich. In Mauthausen trug Neckel die Häftlingsnummer 30741. Was Neckel Meisch in Mauthausen erleben und mitmachen musste, davon weiß Gott allein.

Das Konzentrationslager Mauthausen war das größte deutsche Konzentrationslager der Nationalsozialisten auf dem Gebiet Österreichs. Es befand sich 20 Kilometer östlich von Linz und bestand vom 8. August 1938 bis zu seiner Auflösung nach der Befreiung seiner Insassen durch US-amerikanische Truppen am 5. Mai 1945. Im KZ Mauthausen und seinen Nebenlagern wurden rund 200.000 Menschen inhaftiert, von denen mehr als 100.000 ums Leben gekommen sind.

Eines der Außenlager von Mauthausen war das Schloss Hartheim. Die Euthanasie‐ und Vernichtungsanstalt Hartheim war kein Außenlager des KZ Mauthausen im eigentlichen Sinn. In der Zeit des Nationalsozialismus umfassen die systematische Ermordung von etwa 216.000 Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen. Schloss Hartheim war das Zentrum für die Vernichtung unwürdigen Lebens in Österreich.

Des Weiteren diente Schloss Hartheim als Mordanstalt für sogenannte „körperschwache Häftlinge“ aus den KZ Mauthausen und Dachau sowie wahrscheinlich aus den KZ Ravensbrück und Buchenwald.

Am 23.April 1944 wurde Nicolas Meisch, Bürgermeister der Gemeinde Wilwerwiltz, in der Euthanasie-Anstalt Schloss Hartheim vergast.

Quellen:
- Jean Milmeister - Die Ardenenschlacht
- Fritz Rasqué - Das Ösling im Krieg
- Joseph Mäertz - Luxemburg in der Ardennenoffensive
- Pierre Kergen - Kriegserinnerungen eines Öslinger Resistenzlers
- www.ons-jongen-a-meedercher.lu - Der Leidensweg von Neckel Meisch

Fotos:
- www.ons-jongen-a-meedercher.lu - Der Leidensweg von Neckel Meisch
- www.schloss-hartheim.at - Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim - Gedenkstätte


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